Transalpine Run

 

Länger, schneller, höher… es sind schon die Extreme, die viele von uns Läufern antreiben, immer mal etwas Neues auszuprobieren. Und wer schon etliche Jahre die Vorzüge unseres Lieblingshobby's genießt, steuert manchmal irgendwann auf die „richtig dicken Dinger“ zu. Der Transalpine Run ist so ein Kaliber, bekannt als der härteste Etappenlauf Europas. 7 Etappen mit insgesamt rund 270 Kilometern und geschmeidigen 15000 Höhenmetern rauf und wieder runter müssen dabei  im Zweierteam bewältigt werden.

Als TEAM RUNNING – DAS LAUFMAGAZIN gehen dieses Jahr auch erstmals die beiden Bocholter Mathias Welz und Björn Weier an den Start. An dieser Stelle berichten wir regelmäßig von ihrem Training und begleiten sie bis zum großen Event im September.

 

 

11 Apr 2017

Mallorca - Die ersten Höhenmeter

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von Mathias Welz

Als erster und zugleich letzter „schneller“ Marathon in 2017, steht am 30.04.2017 der Metro Marathon in Düsseldorf auf dem Plan. Mein Ziel ist es, etwas früher als in 2016 die Stopptaste an der Garmin zu drücken und um dafür die Fitness noch einen Tick zu steigern, habe ich die letzte Märzwoche auf Mallorca verbracht.

Wie ihr wisst starten Björn und ich im September beim Transalpine Run und da die Zeit schneller vergeht als einem lieb ist, standen zusätzlich zum flachen 30er und einigen Rennradkilometern auch 2 längere Trailläufe im Gebirge an. In der Serra de Tramuntana gibt es viele Möglichkeiten auf teils schwierigen Trailstrecken Höhenmeter rauf, sowie runter zu sammeln. Ich wollte die Gelegenheit nutzen, um zum ersten Mal mit Stöcken zu laufen und auch um den Hoka One One Mafate Speed 2 auf „Transalpine-Fähigkeit“  zu testen. Der Hoka war nach einigen Recherchen auf meiner Favoritenliste gelandet und so kam er mit auf die Reise.

Die 30 km spulte ich am ersten Tag im Flachland ab, rund um das Hotel, welches zwischen Alcudia und Pollencia lag. Die Ausfahrten auf dem Rennrad verliefen auch planmäßig, bei bestem Wetter ging es größtenteils durchs Gebirge, flach fahren kann ja jeder.

Die beiden Trailstrecken & meine Erlebnisse dabei möchte ich euch ein wenig näher vorstellen:

Route #1 führte mich am Mittwoch auf rund 24,5 km rund um den Puig de Massanella, den zweithöchsten Berg Mallorcas. Auf dem Massanella war ich schon mehrfach, aber die Route die ihn umrundet war größtenteils Neuland für mich. Die ersten 30 Minuten verlief alles ziemlich flach und ich fragte mich, wofür ich eigentlich die Stöcke dabei hatte, bis es dann endlich bergauf ging. Puh, gar nicht so einfach die Stöcke so zu setzen, dass sie einen nicht behindern, sondern helfen. Nach 500 Höhenmetern und etwa einer Stunde später hatte ich es halbwegs raus. Die Szenen „Ich stürzte fast, weil ich die Stöcke falsch setzte“ und „Ich stürzte fast, gut das ich mich mit den Stöcken abstützen konnte“ wechselten sich trotzdem noch den ganzen Lauf über ab.
Nach dem ersten downhill merkte ich dann deutlich, dass ich mit den Einlagen im Schuh nicht zurecht kam, ich lief mir Blasen weil ich an der Fußinnenseite auf der Einlagenkante hin und her rutschte. Kein schönes Gefühl, wenn man weiß das die Runde noch lang ist. Meine Laune sank noch ein Stück tiefer, als ich feststellte, dass ich meine 250 ml flask verloren hatte. Wenigstens die Strecke war sehr abwechslungsreich und so konnte ich mich zumindest an der Natur erfreuen. Der Trail verlief parallel zu einer Wasserleitung, die sich ganz nah am Fels um den Massanella herum schlang. Als ich dann nach ca. 16 km unterhalb vom Gipfel entlang lief war ich ganz glücklich, ab hier kannte ich die Strecke und es ging „nur noch“ 8 km bergab. In den Momenten in denen ich den Schmerz nicht spürte, machte der Schuh seinen Job gut und so beschloss ich, ihm noch eine 2. Chance zu geben.
Fazit nach Trail #1:
Mit Stöcken zügig zu laufen ist anfangs gar nicht so einfach. Auf den steilen Stücken uphill hätte ich sie mir etwas kürzer gewünscht, im downhill waren 120 cm Länge ok. Trailhandschuhe sind ratsam, die Handinnenflächen mussten einiges aushalten und sahen dementsprechend aus. Auf die Füße möchte ich gar nicht näher eingehen, ihr kennt ja sicher das Gefühl mit Blasen zu laufen. Spaß geht anders. Eine neutrale Beurteilung des Schuhs musste daher verschoben werden.
Hier geht es zur Aufzeichnung #1



Im Hotel kam mir die Idee, für Trail #2 einfach die Einlagen aus den Kinvaras zu nehmen und so machte ich mich am Freitagvormittag auf den Weg von Lluc Richtung Puig Roig.
Ich fühlte mich direkt wohler im Schuh, wenn auch nicht ganz schmerzfrei, aber immerhin. Die ersten 10 km verliefen auf einem breiten Wanderweg der jederzeit gut laufbar war. Der Puig Roig ist übrigens bekannt dafür, dass man dort mit etwas Glück Mönchsgeier beobachten kann und was soll ich sagen, nach einer knappen Stunde kreisten etwa 15 Geier über mir. Mit bis zu 3 Meter Flügelspanne ist es der zweitgrößte Vogel Europas und es ist ziemlich beeindruckend sie so nah über sich zu sehen. Nach der Flugshow ging es weiter und nachdem ich schon dachte „läuft alles ziemlich easy“ wurde es doch noch richtig anspruchsvoll. Auf der Rückseite vom Bergmassiv verlief die Strecke auf einem singletrail mit fantastischen Ausblicken Richtung Sa Calobra. Die 8 km machten richtig Spaß und hier zeigte der Hoka seine ganze Stärke, er ist auf grobem, steinigem Untergrund ein wahres Gripmonster und nichts konnte uns aus der Ruhe bringen. Einzig ein wenig mehr seitliche Stabilität wäre perfekt, aber das ist meckern auf hohem Niveau. Die letzten 5 km ging es dann über Asphalt zurück zum Ausgangspunkt. Die Strecke wird auf jeden Fall einen Platz auf meiner Favoritenliste erhalten!
Hier geht es zur Aufzeichnung #2

Nach 5 Tagen bleibt mir die Erkenntnis, dass sich die Beine auch am Morgen danach noch gut anfühlten, im Hinblick auf den TAR ist das doch sehr beruhigend.
Der Hoka One One Mafate Speed 2 wird mich sehr wahrscheinlich dorthin begleiten. 
 

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11 Apr 2017

Der Windhund und das Kamel

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Unser Team Mathias Welz und Björn Weier wagen sich an den Transalpine Run.

Wir begleiten die beiden in der Vorbereitung und beim Tag X.

 

1. Teil

 

Der Windhund und das Kamel

von Björn Weier

 

Puh, dieser orkanartige Gegenwind drückt wirklich ganz schön gegen meinen Astralkörper. Habe förmlich den Eindruck, dass ich beim Laufen stehe. Aber ich kämpfe, schließlich muss ich die Pace halten. Würde ich alleine laufen, wäre mir das vermutlich ziemlich egal, da würde ich einfach Tempo rausnehmen, aber so. Der Windhund trabt locker neben mir her und schert sich nicht um die äußeren Bedingungen. Warum auch? Das 60kg-Körperchen bietet dem Wind kaum Angriffsfläche und so habe ich den Eindruck, dass nur ich zu kämpfen habe. „Die Pace halten, keine Schwäche zeigen“ rede ich mir gedanklich gut zu. Was habe ich mir da nur eingebrockt?

 

Der Windhund ist übrigens mein Laufkollege Mathias. Wir kennen uns gut, mögen uns. Im Leichtathletikverein sind wir in der gleichen Trainingsgruppe, auch wenn unsere läuferischen Fähigkeiten unterschiedlich sind. Leider zu meinen Ungunsten, aber das ist eigentlich kein Problem für mich. Meine Bedenken rühren allerdings aus einer konkreten Tatsache. Wir sind beide für den 13. GORE-TEX Transalpine-Run im September angemeldet. Bei diesem Event werden die Alpen in sieben Etappen überquert. Es geht durch vier Länder über insgesamt 264,6 Kilometer und es wollen 15957 positive und 14610 negative Höhenmeter überwunden werden. Für mich als Langstrecken-Diesel eine schöne Herausforderung, die ich mir durchaus zutraue. Der Haken an der Sache – die Protagonisten beim Transalpine Run starten in Zweierteams und müssen die Strecke gemeinsam absolvieren. Mein Team wird die Startnummer 117 tragen. Mein Team, das sind der Windhund und ich.

 

Dies ist nun unsere erste gemeinsame Trainingseinheit in der langen Vorbereitunsphase. „Ein lockerer 15er“ war der Plan. Nur leider lässt sich der Begriff „locker“ beim Laufen doch recht unterschiedlich definieren. Für Mathias sind 4:30min pro Kilometer extrem locker, egal ob ein Orkan fegt oder es kernig aufwärts geht. Ich bin läuferisch eher ein Kamel. Lang und weit geht gut, Wasser brauch ich wenig, aber Tempo ist so eine Sache. Bei 4:30er Pace komme ich schon etwas mehr ins Röcheln, schleppe schließlich auch rund 20kg mehr Körper mit mir herum. Das sind umgerechnet immerhin rund zwei Kisten Bier…

Knapp 8 Monate Zeit bleiben, um uns aufeinander einzuspielen. Aber wird uns das gelingen? Im Prinzip wissen wir natürlich, worauf wir uns da einlassen. Die verschiedenen Tagesetappen haben es alle in sich und werden für uns beide zur Herausforderungen werden. Selbst die „Babyetappe“ am zweiten Tag ist mit 24,7 km Länge, vielen Höhenmetern und den ständig drohenden Zeitlimits an den Kontrollpunkten, nicht von Pappe. Unser erklärtes Ziel ist es daher, „einfach“ nur anzukommen. Oder doch nicht? Ich habe noch Mathias Worte nach unserer Anmeldung im Ohr „Ja, aber so ganz hinten landen wollen wir jetzt auch nicht, oder? Da sorge ich schon für…“  Da war es schon zu spät für einen Rückzieher gewesen…

 

Vor allem Mathias muss sich gedanklich umstellen. Er ist es gewohnt, bei Volksläufen um vordere Platzierungen zu kämpfen. Nun werde ich vermutlich das begrenzende Element für ihn sein. Andererseits habe ich schon diverse Ultra- und Etappenläufe absolviert.

 

Während wir weiterlaufen stelle ich mir vor, wie ein ausgemergelter Windhund nach ein paar anstrengenden Tagen bedröppelt über die Alpen streunt. Daneben trabt ein 80kg- Modellathlet locker im Fettverbrennungsmodus.

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